In der heutigen Gesellschaft scheint es, dass viele Menschen den Unterschied zwischen Dabeisein und tatsächlichem Erleben nicht mehr verstehen. Viele Menschen denken, dass, wenn sie an einem Ort sind, sie automatisch „dabei sind“. Doch dies stimmt nicht immer. Es ist von großer Bedeutung, zu verstehen, dass wahre Erfahrungen und Erlebnisse nur dann stattfinden können, wenn man sich voll und ganz auf das konzentriert, was geschieht und aktiv daran teilnimmt.

Dabeisein bedeutet, physisch präsent an einem Ort oder bei einer Aktivität zu sein. Es impliziert, dass der Körper anwesend ist, jedoch die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein weit entfernt sein können.

Erleben hingegen bedeutet, bewusst an dem teilzunehmen und beteiligt zu sein, was gerade geschieht. Es geht nicht nur um die physische Anwesenheit, sondern auch darum, auf den Moment konzentriert zu sein und ihm Aufmerksamkeit zu schenken– mit allen Sinnen.

Es geht darum, sich mit der Situation zu beschäftigen und die Umgebung in allen Einzelheiten wahrzunehmen. Jedoch sind viele Menschen heutzutage so sehr mit ihren Handys und den sozialen Medien beschäftigt, dass sie nicht wirklich präsent sind und somit auch keine „echten“ Erlebnisse haben. Sie bemühen sich so sehr, dass alles „perfekt“ beispielsweise für ihren Beitrag in den sozialen Medien aussieht, dass sie vergessen, diese Situation einfach zu genießen - und das nur für sich selbst.

Doch vielen Menschen geht es gar nicht mehr um das aktive Miterleben, sondern einfach nur darum, allen zu zeigen, wie interessant ihr Leben ist. Jeder will das bessere und aufregendere Leben führen und in Szene setzen. Deswegen kommt es zu einem Wettstreit, weil sie den Beitrag der anderen übertrumpfen möchten, um damit zu erreichen, dass die Personen zu ihnen heraufschauen und sie eventuell sogar beneiden.

Dabei vergessen sie, dass wahre Erfahrungen und Erlebnisse nicht durch das gegenseitige Überbieten entstehen, sondern durch das bewusste und aktive Teilnehmen an Momenten und Situationen. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass das wahre Glück und die wahren Erfahrungen im Hier und Jetzt liegen und nicht in der ständigen Suche nach Anerkennung und Bestätigung von anderen. Es geht darum, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen und die Momente bewusst zu genießen, anstatt ständig nach dem nächsten großen Erlebnis zu suchen, um dann die Kamera davorzuhalten.

Ein Beispiel, das all dies bestätigt, ist der Besuch eines Konzerts. Wenn man dort um sich herumschaut, sieht man fast nur Menschen, die alles mit ihren Handys aufnehmen, anstatt den Moment aktiv zu genießen. Viele filmen dies, um es eben in ihren sozialen Medien zu veröffentlichen. Manche Menschen machen dies auch, um es sich privat anzuschauen. Das ist natürlich völlig legitim, doch die meisten nehmen dies dann nicht nur für ein paar Sekunden auf, sondern richten ihre Aufmerksamkeit mehr auf das Aufnehmen mit dem Handy, als diesen Moment aktiv zu genießen und ihn mit all den Sinnen wahrzunehmen.

Es ist traurig, zu sehen, wie viele Menschen den wahren Wert des Erlebens verloren haben. Sie sind so vertieft darin, ihr Leben für die Onlinewelt zu gestalten, dass sie vergessen, den Moment selbst zu erleben. Sie verpassen die Schönheit der Umgebung und die einmalige Atmosphäre, die nur live erlebt werden kann.

Der Fokus sollte auf das Erleben gelegt werden, denn die Erinnerungen, die man sich schafft, sind viel wertvoller als jedes Foto oder Video.

Die Verwechslung von Dabeisein und Erleben hat verschiedene Gründe. Einer davon ist der Einfluss von Technologie, insbesondere die übertriebene Nutzung von Handys. In einer Welt, in der Handys immer mit dabei sind, neigen die Menschen, wie schon genannt, dazu, länger die Situation durch ihre Handys zu betrachten, als sich aktiv daran zu beteiligen. Der Fokus auf das ständige Aufnehmen von Erlebnissen kann dazu führen, dass die eigentliche Erfahrung in den Hintergrund rückt.

Auch der soziale Druck, etwas zu verpassen, spielt eine große Rolle. In einer solchen schnelllebigen Gesellschaft, in der oftmals nur oberflächlich betrachtet wird, fühlen sich die Menschen möglicherweise gezwungen oder dazu verleitet, bestimmte Ereignisse nur deshalb zu besuchen, um auf dem neusten Stand zu sein, um nichts zu verpassen oder um nicht ausgeschlossen zu werden. Sie fühlen sich dazu gezwungen, immer etwas Besonderes zu erleben. Die Menschen wollen in sozialen Medien gut dastehen und zeigen, dass ihr Leben interessant und aufregend ist. Sie vergessen dabei, dass es nicht darum geht, was andere von ihnen denken, sondern darum, wie sie selbst den Moment erleben und genießen.

Die Verwechslung von Dabeisein und tatsächlichem Erleben hat starke Auswirkungen auf das individuelle Wohlbefinden und die soziale Struktur. Die Fixierung auf das bloße Dabeisein, während die Aufmerksamkeit woanders ist, führt zu einem Mangel an echten Erfahrungen. Menschen könnten sich leer fühlen, obwohl sie dabei waren, nicht viel mitbekommen haben und ihre Aufmerksamkeit nicht auf die Situation gerichtet haben. Sie vernachlässigen schöne Momente und echte Verbindungen.

Die Konzentration auf eine solche Inszenierung des Lebens kann dazu führen, dass sich die Person in ihrem eigenen Leben oder während eigener Erfahrungen entfremdet fühlt, da das eigene Leben mehr für die Darstellung der sozialen Medien genutzt wird, als dass für das persönliche Wohlbefinden gelebt wird. Das ständige Aufnehmen und Teilen von Momenten kann dazu führen, dass die persönliche Interaktion vernachlässigt wird. Menschen können sich in ihrer eigenen virtuellen Welt verlieren und zum Beispiel vergessen, wie man echte und tiefgründige Gespräche führt. Dadurch können sie sich einsam fühlen, obwohl sie ständig von Menschen umgeben sind.

Darüber hinaus kann die Verwechslung von Dabeisein und Erleben auch Auswirkungen auf die persönliche Entwicklung haben. Wahre Erfahrungen und Erlebnisse sind oft mit Herausforderungen und persönlichem Wachstum verbunden. Wenn Menschen jedoch nur ihr Leben für die sozialen Medien vortäuschen und nach Anerkennung suchen, verpassen sie eventuell die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.

Zusätzlich kann die Fixierung auf das bloße Dabeisein und Aufnehmen von Momenten auch zu einem Verlust des eigenen Selbstbewusstseins führen. Sie könnten beginnen, ihr Leben lediglich durch die sozialen Medien zu betrachten und zu bewerten. Sie vergleichen sich ständig mit anderen und stellen fest, dass sie ihr eigenes Leben weniger aufregend finden als das der anderen. Dadurch können sie sich minderwertig fühlen und auch Neid kann entstehen. So kann das Selbstwertgefühl leiden.

Des Weiteren kann die Verwechslung von Dabeisein und Erleben auch zu einer Verzerrung der Realität führen. Menschen könnten beginnen, ihr Leben durch die sozialen Medien zu betrachten, und dabei vergessen, dass diese Plattformen meist nur die positiven und besten Momente teilen. Dadurch kann eben ein verzerrtes Realitätsbild entstehen, indem es scheint, dass alle anderen ein aufregenderes und erfüllteres Leben führen als man selbst. Dies kann zu Unzufriedenheit und einem ständigen Streben nach dem nächsten großen Erlebnis führen, anstatt die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen.

Die Verwechslung von Dabeisein und Erleben hat also große Auswirkungen auf das individuelle Wohlbefinden, die soziale Struktur und die persönliche Entwicklung. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass wahre Erfahrungen und Erlebnisse nur dann stattfinden können, wenn man sich voll und ganz auf das Geschehen konzentriert und aktiv daran teilnimmt. Statt sich ständig mit der Inszenierung des Lebens für die sozialen Medien zu beschäftigen, sollte man lernen, den Moment zu genießen und die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Denn letztendlich sind es die echten Erlebnisse und Begegnungen, wie die Zeit mit den Freunden und der Familie, die das Leben lebenswert machen.

 

N.Reimer Q1

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